Endlich wieder Dorsch

Die Ostseeküste vor Warnemünde. Der schöne ausblick gehört beim angeln dazu.
Die Ostseeküste vor Warnemünde

Am 21.05.2020 war es endlich wieder soweit, Angeln auf der Ostsee. Für gewöhnlich versuche ich einmal im Monat nach Warnemünde zu fahren, um vom Boot aus auf Dorsch zu angeln. In der Regel fahren wir zu dritt an die Küste. Mittlerweile schon seit ein paar Jahren. Nur dieses Jahr ist alles anders. Aufgrund zahlreicher Corona-Beschränkungen war es uns in diesem Jahr noch nicht möglich an die Küste zu fahren. Meistens fahren wir erst ab Ende März raus, wenn die Dorsche abgelaicht haben, denn hingegen der weit verbreiteten Meinung sehen wir uns als Angler durchaus als Naturschützer und sind an einem gesunden Fischbestand interessiert. Aber zurück zum Thema. Am Vorabend wurde unsere Vorfreude etwas gedämpft, da unser Skipper bei seiner ausfuhr am Morgen nur zwei Dorsche fing. Grund könnten die Stürme der vorherigen Tage gewesen sein. Nichts desto trotz überwog die Freude und gegen 05:30 waren wir auf dem Wasser. Salz in der Luft -wie habe ich das vermisst – für mich gibt es nichts, dass mehr Entspannung liefert als mit dem Boot auf dem Meer zu sein, umso mehr bei so schönem Sonnenschein.

Köderwahl

Die Köderkiste auf dem Boot sollte nicht zu groß sein, da der Platz begrenz ist. Jedoch genug Platz für verschiedene Angel-Methoden bieten.
Eine Köderkiste mit einer breiten Auswahl eignet sich super für das Angeln auf Dorsch vom Boot

Mein Kumpel benutze einen Gummifisch von „Lieblingsköder“ in der Farbe Whisky und Möhrchen. Mein Schwager Gummifische in verschiedenen Farben und Formen und ich benutze einen blauen Pilker an einem Vorfach mit Rot/Schwarzen Twister Beifänger. In den ersten zwei Stunden war bei mir nicht viel los. Ein untermaßiger Dorsch bis auf den Pilker ansonsten nur zaghafte zupfer. Bei meinem Schwager sah es ähnlich aus. Der Dritte Mann an Bord, fing dagegen wirklich gut. Die LK Gummifische erwiesen als echte Geheimwaffe an diesem Morgen. Innerhalb kürzester Zeit fing er mit den Ködern vier stattliche Dorsche. Gegen 09:00 Uhr bedeckten Wolken die Sonne und es wurde etwas windiger. Schlagartig endeten die Bisse auf den aktiv geführten Gummifischen und die Dorsche stürzten sich auf meine Schwarz/Roten Beifänger. Der Pilker wurde ignoriert, aber die Twister brachten den Erfolg. Trotz zahlreicher Fehlbisse hatte ich nach ein paar driften meine fünf Dorsche (aktuelles Baglimit auf der Ostsee), auch meinem Schwager gelang es insgesamt fünf schöne Dorsche zu fangen -alle auf Gummifisch- . An diesem Tag fing er sogar den größten mit ca. 70 cm.

Auf dem Bild sieht man mich mit einem schönen Ostsee-Dorsch
Dieser Schöne 58 cm biss auf einen Schwarz/Roten Twister Beifänger

Ich hatte genauso gut meine Köderwahl nach den ersten erfolglosen Stunden wechseln können. Doch ich hatte vertrauen in meine Montage. Genau das kann manchmal der Schlüssel zum Erfolg sein. Erst recht wenn man im Team angelt besteht die Möglichkeit mit verschieden Methoden zu erforschen, worauf die Fische reagieren. Der Erfolg ist umso schöner, wenn sich die gewählte Methode beim Angeltag als fängig erweist.

Einfach nur mal Angeln

Wir befinden uns momentan in schwierigen Zeiten. Der Corona-Virus betrifft jeden und wir müssen uns allesamt in unserem täglichen Leben einschränken und auf gewohntes verzichten. Auch unserem Hobby können wir nicht wie gewohnt nachgehen. Die eingeschränkten Reisemöglichkeiten im In- und Ausland lassen das Angeln nur in den nahe liegenden Gewässern zu. Auch die geschlossenen Angelläden machen das Angeln nicht grad einfacher. Als in Berlin kurzweilig das Angeln grundsätzlich während der Corona-Krise untersagt wurde, fiel ich in ein tiefes Loch. Doch glücklicherweise, hielt das Verbot nicht länger als zwei Tage und unter den gängigen Regelungen (keine Gruppenbildung, Mindestabstand von 1,5 m. einhalten) wurde das Angeln in Berlin wieder gestattet. Und ich persönlich finde es in dieses Zeiten unglaublich Kraft spendend, für ein paar Stunden ans Wasser zu fahren und meiner Lieblings Beschäftigung nach zu gehen.

Endlich wieder Angeln

Ich bestellte mir Online einen Liter Maden und 48 Tauwürmer. Nach einer Woche, am 09.04.20 kamen meine Köder dann auch an und ich weiß nicht, ob ich mich schon mal so sehr auf den Paketboten gefreut habe. Aufgeregt wie ein 10-Jähriger am Abend vor seinem Geburtstag packte ich meine Angeltasche zusammen, besorgte mir im Baumarkt Schnur (da in Berlin derzeit die Angelläden geschlossen sind) für meine Rolle und ab ans Wasser. Was ein Gefühl. Um 17.30 Uhr kam ich an der Uferpromenade der Stadt-Spree an. Eine Rute mit einer Posenmontage beködert mit Maden kurz übern Grund und eine Grundbleimontage mit Tauwurm. Nach ca. einer Stunde ging dann das erste mal meine Pose komplett unter Wasser. Was soll ich sagen, ich hab mich noch nie im Leben so sehr über eine Plötze gefreut (außer vielleicht über meine aller erste).

Der erste Fisch des Tages. Eine schöne Spree-Plötze.

Der erste Aal des Jahres 2020

Nachdem der Bann gebrochen war, und der erste Fische gefangen, ging es Schlag auf Schlag weiter. Ich erlebte in der Zeit von ca. 18:45 bis 20:00 Uhr eine wunderbare Beißzeit. Rotauge nach Rotauge. Maden erwiesen sich an diesem Tag als überaus fängig. Als die Sonne unterging ließ die Bissfrequenz etwas nach, dafür wurden die Fische aber größer. Mich interessierte allerdings die Rute mit der Grundmontage mehr, denn ich hoffte insgeheim auf einen Aal. Die Bedingungen dafür standen auch nicht schlecht. Langsam wird es wärmer, wir hatten eine Woche am Stück über 20 Grad und im Zweifel vertraue ich immer meiner Intuition. Die sich heute auch nicht im Stich ließ, gegen 21 Uhr zitterte die Spitze meiner Balzer – Magna MX-3 Gorilla | Aal und nach einem kompromisslosen Drill, konnte ich einen schönen Aal verhaften. Keinen Riesen, aber den ersten dieses Jahr.

Ein 65 cm Spree-Aal

In der Nacht biss noch ein zweiter nicht ganz so großer Aal und einige große Brassen auf die Posenmontage. Manchmal finde ich es herrlich ohne einen wirklichen Plan und ohne allzu hohe Erwartungen zum Wasser zu fahren und für einige Stunden die Seele beim Angeln baumeln zu lassen. In verrückten Zeiten wie diesen, für mich die beste Möglichkeit der Ablenkung.