Einfach nur mal Angeln

Wir befinden uns momentan in schwierigen Zeiten. Der Corona-Virus betrifft jeden und wir müssen uns allesamt in unserem täglichen Leben einschränken und auf gewohntes verzichten. Auch unserem Hobby können wir nicht wie gewohnt nachgehen. Die eingeschränkten Reisemöglichkeiten im In- und Ausland lassen das Angeln nur in den nahe liegenden Gewässern zu. Auch die geschlossenen Angelläden machen das Angeln nicht grad einfacher. Als in Berlin kurzweilig das Angeln grundsätzlich während der Corona-Krise untersagt wurde, fiel ich in ein tiefes Loch. Doch glücklicherweise, hielt das Verbot nicht länger als zwei Tage und unter den gängigen Regelungen (keine Gruppenbildung, Mindestabstand von 1,5 m. einhalten) wurde das Angeln in Berlin wieder gestattet. Und ich persönlich finde es in dieses Zeiten unglaublich Kraft spendend, für ein paar Stunden ans Wasser zu fahren und meiner Lieblings Beschäftigung nach zu gehen.

Endlich wieder Angeln

Ich bestellte mir Online einen Liter Maden und 48 Tauwürmer. Nach einer Woche, am 09.04.20 kamen meine Köder dann auch an und ich weiß nicht, ob ich mich schon mal so sehr auf den Paketboten gefreut habe. Aufgeregt wie ein 10-Jähriger am Abend vor seinem Geburtstag packte ich meine Angeltasche zusammen, besorgte mir im Baumarkt Schnur (da in Berlin derzeit die Angelläden geschlossen sind) für meine Rolle und ab ans Wasser. Was ein Gefühl. Um 17.30 Uhr kam ich an der Uferpromenade der Stadt-Spree an. Eine Rute mit einer Posenmontage beködert mit Maden kurz übern Grund und eine Grundbleimontage mit Tauwurm. Nach ca. einer Stunde ging dann das erste mal meine Pose komplett unter Wasser. Was soll ich sagen, ich hab mich noch nie im Leben so sehr über eine Plötze gefreut (außer vielleicht über meine aller erste).

Der erste Fisch des Tages. Eine schöne Spree-Plötze.

Der erste Aal des Jahres 2020

Nachdem der Bann gebrochen war, und der erste Fische gefangen, ging es Schlag auf Schlag weiter. Ich erlebte in der Zeit von ca. 18:45 bis 20:00 Uhr eine wunderbare Beißzeit. Rotauge nach Rotauge. Maden erwiesen sich an diesem Tag als überaus fängig. Als die Sonne unterging ließ die Bissfrequenz etwas nach, dafür wurden die Fische aber größer. Mich interessierte allerdings die Rute mit der Grundmontage mehr, denn ich hoffte insgeheim auf einen Aal. Die Bedingungen dafür standen auch nicht schlecht. Langsam wird es wärmer, wir hatten eine Woche am Stück über 20 Grad und im Zweifel vertraue ich immer meiner Intuition. Die sich heute auch nicht im Stich ließ, gegen 21 Uhr zitterte die Spitze meiner Balzer – Magna MX-3 Gorilla | Aal und nach einem kompromisslosen Drill, konnte ich einen schönen Aal verhaften. Keinen Riesen, aber den ersten dieses Jahr.

Ein 65 cm Spree-Aal

In der Nacht biss noch ein zweiter nicht ganz so großer Aal und einige große Brassen auf die Posenmontage. Manchmal finde ich es herrlich ohne einen wirklichen Plan und ohne allzu hohe Erwartungen zum Wasser zu fahren und für einige Stunden die Seele beim Angeln baumeln zu lassen. In verrückten Zeiten wie diesen, für mich die beste Möglichkeit der Ablenkung.

Geduld zahlt sich aus

Beim Angeln im Winter, denken die meisten wahrscheinlich an dicke Döbel, runde Karpfen oder schöne Hechte. Jedoch die wenigsten ans Aalangeln. Das kann ich auch niemandem verübeln, da der Aal den Winter in der Regel nicht in unseren Gewässern verbringt. Nun, da ich aber leidenschaftlich gerne auf Aal angele, wollte ich mir das auch im Winter nicht nehmen lassen. Egal wie aussichtslos mein Unterfangen auch sein mochte. Also packte ich mir mein Aal-Tackle und eine große Packung Tauwürmer ein und machte mich auf den Weg zur Stadt-Spree. Mit einem klaren Ziel vor Augen. ICH WILL AAL. Meine Angelkollegen lachten mich nur aus: „Aal im Winter? Vergiss es!“: Doch ich wusste, wenn es auch nur einen Aal in der Spree geben würde, landet er bei mir am Haken. Ich angelte mit einer einfachen Grundmontage. Ich angle die Montage an einer Balzer – Magna MX-3 Gorilla. Als Köder verwendete ich einen Tauwurm, den Wurm wie eine Ziehharmoniker bis zur Hälfte auf den Harken. Die andere Hälfte des Wurms soll sich frei am Harken bewegen können.

Tauwurm aufgezogen auf einen Balzer Camtec Aalhaken an meine Grundmontage

Es besteht kein Zweifel, das Aal kein Fisch ist den man regulär im Winter beangeln kann oder sollte. Aber ich hatte total Lust auf Aalangeln, egal wie Abwegig das im Winter auch sein mag. Und so vergingen zwei Tage am Wasser, an denen ich nicht einen einzigen Aal fing. Über die Friedfische, die meinen Kollegen ein lächeln ins Gesicht zauberten, konnte ich mich nur halb erfreuen. Als ich dann am dritten Tag schon vollkommen entmutigt und desillusioniert mein Angelgeschirr einpacken wollte, geschah es. Während ich einkurbelte um mich auf den Heimweg zu machen, kam der Biss. Schon beim Drillen wusste ich, das ist mein Zielfisch. Die Schwanzhiebe an der Rute sind unverwechselbar. Als sich die Silhouette an der Wasseroberfläche andeutete, war mir klar, das ist kein Schnürsenkel. Der Aal hatte eine länge von ca. 90 cm. War zwar kein Riese, aber dafür, dass es sich um einen Aal mitten im Winter handelte, für den ich drei Tage angelte, war er der Riese meines Herzens.

Ganz klar, der Aal im Winter ist ein Zufallsfisch. Und trotzdem, Geduld und Hartnäckigkeit zahlen sich am Ende immer aus.

S. Fervers